Erektile Dysfunktion: Warum Männer ihr Herz untersuchen lassen sollten

Viele Männer betrachten eine erektile Dysfunktion (ED) zunächst als rein sexuelles oder altersbedingtes Problem. Doch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen: Erektionsstörungen können ein frühes Warnsignal für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, oft Jahre bevor ein Herzinfarkt oder Schlaganfall auftritt. Deshalb sollte bei neu auftretender erektiler Dysfunktion immer auch an die Herzgesundheit gedacht werden.

Erektionsstörungen als Warnzeichen für Gefäßerkrankungen

Eine Arbeitsgruppe um den Kardiologen S. M. Iftekhar Uddin von der Johns Hopkins University untersuchte im Rahmen der großen „Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis“ (MESA) den Zusammenhang zwischen erektiler Dysfunktion und späteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Ergebnis war eindeutig: Männer mit erektiler Dysfunktion hatten ein nahezu doppelt so hohes Risiko für zukünftige Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder plötzlichen Herztod – selbst nachdem klassische Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen oder Depressionen berücksichtigt wurden.

Warum das Herz oft zuerst betroffen ist

Der Grund liegt in den Blutgefäßen. Eine Erektion ist auf eine gute Durchblutung angewiesen. Bereits kleine Veränderungen der Gefäßinnenwand (Endothelschäden) oder beginnende Arteriosklerose können die Durchblutung des Penis beeinträchtigen. Da die Penisarterien deutlich kleiner sind als die Herzkranzgefäße, zeigen sich dort häufig früher Symptome.

Kardiologen sprechen deshalb vom „Frühwarnsystem Penis“: Was sich zunächst als Erektionsstörung bemerkbar macht, kann in Wirklichkeit Ausdruck einer allgemeinen Gefäßerkrankung sein. Studien zeigen, dass zwischen dem Auftreten einer erektilen Dysfunktion und einem späteren Herz-Kreislauf-Ereignis häufig zwei bis fünf Jahre liegen.

Die Studie im Überblick

Für die Untersuchung wurden 1.757 Männer ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung über mehrere Jahre beobachtet. Fast die Hälfte berichtete über Erektionsprobleme. Während der Nachbeobachtungszeit traten Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Männern mit ED deutlich häufiger auf als bei Männern ohne ED. Nach statistischer Anpassung blieb die erektile Dysfunktion ein unabhängiger Prädiktor für zukünftige Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wann sollte ein Kardiologe aufgesucht werden?

Ein kardiologischer Check-up ist insbesondere empfehlenswert, wenn:

  • erstmals eine erektile Dysfunktion auftritt,
  • zusätzlich Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte oder Rauchen vorliegen,
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie gehäuft auftreten,
  • Belastungsbeschwerden, Luftnot oder Brustschmerzen bestehen.

Experten sehen in der ED eine wertvolle Gelegenheit zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer wegen einer Erektionsstörung einen Arzt aufsucht, sollte nicht nur die sexuelle Funktion behandeln lassen, sondern auch sein kardiovaskuläres Risiko überprüfen lassen.

Was umfasst ein Herz-Check?

Je nach individuellem Risiko können folgende Untersuchungen sinnvoll sein:

  • Blutdruckmessung
  • Blutzucker- und Cholesterinbestimmung
  • Ruhe- und Belastungs-EKG
  • Herzultraschall
  • Untersuchung der Gefäßgesundheit
  • Individuelle Risikobewertung für Herzinfarkt und Schlaganfall

Fazit

Erektile Dysfunktion ist weit mehr als ein Problem der Sexualität. Sie kann ein früher Hinweis auf bislang unerkannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Die wissenschaftlichen Daten zeigen, dass Männer mit ED ein deutlich erhöhtes Risiko für zukünftige Herz-Kreislauf-Ereignisse haben. Wer Veränderungen der Erektionsfähigkeit bemerkt, sollte dies daher nicht als unvermeidliche Alterserscheinung abtun, sondern als Anlass für einen umfassenden Gesundheitscheck verstehen.

Empfehlung: Tritt eine erektile Dysfunktion neu auf, ist ein Check-up beim Kardiologen sinnvoll, insbesondere dann, wenn weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestehen. Früh erkannt lassen sich viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfolgreich behandeln oder sogar verhindern.

Quelle: Uddin SMI et al. „Erectile Dysfunction as an Independent Predictor of Future Cardiovascular Events: The Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA)“, Circulation 2018.

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