Chemotherapie kann das Herz langfristig schwächen

Dank moderner Krebstherapien überleben heute deutlich mehr Menschen ihre Krebserkrankung. Gleichzeitig rückt ein Thema immer stärker in den Fokus der Medizin: die langfristigen Auswirkungen bestimmter Chemotherapien auf das Herz. Studien zeigen, dass einige Krebsmedikamente das Risiko für Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch Jahre nach Abschluss der Behandlung erhöhen können.

Warum kann eine Chemotherapie das Herz schädigen?

Bestimmte Chemotherapeutika, insbesondere sogenannte Anthrazykline wie Doxorubicin, können Herzmuskelzellen direkt schädigen. Das Risiko steigt häufig mit der verabreichten Gesamtdosis. Die Herzschädigung kann bereits während der Therapie auftreten, sich aber auch schleichend über viele Jahre entwickeln.

Neben klassischen Chemotherapien können auch moderne Krebsmedikamente und Bestrahlungen im Brustbereich langfristige Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben.

Welche Folgen sind möglich?

Zu den häufigsten langfristigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach einer Krebsbehandlung gehören:

  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Verminderte Pumpfunktion des Herzens
  • Herzrhythmusstörungen
  • Koronare Herzkrankheit
  • Herzklappenerkrankungen
  • Schlaganfälle und Gefäßerkrankungen

Forschende konnten zeigen, dass Krebsüberlebende langfristig ein erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz, Herzmuskelerkrankungen und weitere kardiovaskuläre Erkrankungen haben.

Das Risiko bleibt oft über viele Jahre bestehen

Besonders bemerkenswert ist, dass Herzprobleme nicht nur unmittelbar nach der Therapie auftreten. Studien bei Brustkrebspatientinnen zeigen beispielsweise, dass das Risiko für Herzschwäche und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch fünf bis zehn Jahre und länger nach der Behandlung erhöht sein kann.

Auch bei Langzeitüberlebenden von Krebserkrankungen im Kindesalter wurden deutlich erhöhte Raten von Herzschwäche und anderen Herzerkrankungen festgestellt.

Wer ist besonders gefährdet?

Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem bei:

  • hohen kumulativen Chemotherapiedosen,
  • zusätzlicher Bestrahlung des Brustkorbs,
  • bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Cholesterinwerten,
  • höherem Lebensalter.

Kardio-Onkologie gewinnt an Bedeutung

Aus der Erkenntnis, dass Krebsbehandlungen das Herz beeinträchtigen können, hat sich das Fachgebiet der Kardio-Onkologie entwickelt. Ziel ist es, Herzschäden frühzeitig zu erkennen, Risikofaktoren zu reduzieren und Patienten langfristig zu begleiten.

Fachgesellschaften empfehlen deshalb bei Risikopatienten regelmäßige kardiologische Kontrollen, beispielsweise mittels Echokardiographie, EKG und Laboruntersuchungen. Eine langfristige Nachsorge kann helfen, Herzschäden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Fazit

Eine erfolgreiche Krebsbehandlung bedeutet heute oft viele zusätzliche Lebensjahre. Umso wichtiger ist es, neben der Tumorkontrolle auch die Herzgesundheit im Blick zu behalten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen eindeutig, dass bestimmte Chemotherapien das Risiko für Herzschwäche und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen langfristig erhöhen können. Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und eine enge Zusammenarbeit von Onkologen und Kardiologen lassen sich mögliche Herzschäden jedoch häufig früh erkennen und behandeln.

Quellen:

  • American College of Cardiology (ACC): Anthracycline Cardiotoxicity in Cancer Patients (2024).
  • Journal of the American College of Cardiology: Cardiovascular Considerations After Cancer Therapy (2025).
  • National Institutes of Health (NIH): Cardiovascular Disease in Adult Cancer Survivors (2022).
  • Journal of the National Cancer Institute: Long-term cardiovascular disease risk after anthracycline and trastuzumab therapy (2024).
  • American Heart Association: Cardiovascular Toxicity in Patients Treated for Childhood Cancer (2025).

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